Make the Heide great again!

Markus Thielemanns Buch „Von Norden rollt ein Donner“ wurde für die Shortlist des Deutschen Buchpreises nominiert! Das Buch ist eine (Anti-)Liebeserklärung an die Heide und behandelt mehrere gesellschaftlich umstrittene Themen wie die Wiederkehr des Wolfs, Heimat, Aufarbeitung der NS-Zeit, völkische Siedler oder den „Heide“-Dichter Hermann Löhns.

Der 19-jährige Jannes begründet eine neue Generation von Schäfern in der Lüneburger Heide. Dabei steht er häufig im Konflikt mit seiner Familie, da sein kranker Vater sich bei Fragen um den Hof von ihm bevormundet und übergangen fühlt. Auch die Rückkehr des Wolfs stellt eine neue Bedrohung dar und die Sorge und Angst darum vermischen sich mit Jannes Visionen, in denen die Aufarbeitung der eigenen familiären Vergangenheit thematisiert wird.

Jannes Vater freundet sich unterdessen mit einem neuzugezogenen Nachbarn an, der die Wolfsproblematik als Aufhänger zur Verbreitung seiner völkischen Ideologien nutzt und fühlt sich mehr und mehr durch ihn in seinen Ansichten bestätigt. Die Situation spitzt sich zu und der Wolf kommt immer näher.

Die Stärken des Buchs liegen insbesondere in den starken Dialogen und der gelungenen Auseinandersetzung mit den anspruchsvollen politischen und historischen Themen. Thielemann ergeht sich jedoch zuweilen in sehr ausschweifenden Beschreibungen der Situationen, die zwar der Vorstellungskraft zuträglich sind, jedoch den Lesefluss an einigen wenigen Stellen stören. Die Nominierung für die Shortlist des Deutschen Buchpreises ist gerade wegen der aktuellen und wichtigen Auseinandersetzung mit den angesprochenen Themen mehr als verdient!

Mein persönliches Rating: 4/5

starke Dialoge, differenzierte Auseinandersetzung, interessantes und neues Thema

Mesopotamien, Keilschrift, Genozid an den Jesiden/Eziden…

Elif Shafaks Buch „Am Himmel die Flüsse“ thematisiert es alles. Die Autorin verknüpft Handlungsstränge von einem jungen Mann im 19. Jhd. in London mit dem antiken Mesopotamien, mit einer Doktorandin im heutigen London und einem jesidischen Mädchen 2014 im Irak. Das Buch liest sich durchweg spannend und macht Lust darauf, auf einmal Keilschrift zu lernen und Assyrologie zu studieren. Alle Handlungsstränge sind durch das Motiv des Wassers durch die Geschichte und über die Distanz miteinander verbunden. Neben der spannenden historischen Vergangenheit des antiken Mesopotamiens und dem Umgang mit Überresten und Kulturgütern aus dieser Zeit, die heutzutage zum Großteil in europäischen Museen zu finden sind, macht die Autorin auch auf die Situation der Jesiden/Eziden im heutigen Irak aufmerksam. Der Massenmord, der seit 2014 durch den IS verübt wird, wird hierzulande kaum thematisiert und ist vielen Personen gar nicht bekannt – und das, obwohl in Deutschland mit mehr als 200.000 Anhängern eine der größten jesidischen Gemeinden weltweit vertreten ist.

Das Buch hat mich dazu motiviert, mein fehlendes Wissen in diesem Bereich deutlich auszubessern und mit offeneren Augen die Geschehnisse dieser sehr spannenden und sehr traditionsreichen Religion zu verfolgen.

Mein persönliches Rating: 5/5

spannend, lehrreich, relevant, liest sich gut, macht Lust auf mehr